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 Interview mit Wolfgang Hohlbein

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Jonal
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BeitragThema: Interview mit Wolfgang Hohlbein   Mi 19 Okt 2011 - 7:08

Wolfgang Hohlbein ist vielleicht sogar DER bekannteste Phantasie-Schriftsteller Deutschlands. Hier ein Interview mit ihm aus dem Jahre 2004:



Wir haben Glück: Dumme Fragen zu beantworten gehört nach Ihrer eigenen Aussage neben Motorradfahren zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen...

... ja, ja, das habe ich zu einer Zeit gesagt, als ich mir noch nicht darüber im Klaren war, dass ich mir genau überlegen muss, was ich sage. Das ist mir einfach mal so rausgerutscht.

1992 haben Sie geschrieben, das Schreiben sei für Sie ein Abenteuer geblieben, Sie seien einfach davon besessen. Trifft das, was sie vor zwölf Jahen sagten, auch 2004 und ein paar Dutzend Bücher später noch zu? Und wie sieht ein normaler (Arbeits-)Tag für Sie aus?

Das stimmt auch heute noch. Schreiben ist tatsächlich immer noch mein Hobby. Was meine Arbeitsweise betrifft, so gibt es einen ganz großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie würde es reichen, wenn ich regelmäßig jeden Tag vier bis fünf Stunden arbeitete. In der Pra­xis ist es aber so, dass ich entweder gar nichts tue oder wie ein Besessener arbeite. Es gibt immer ver­schiedene Phasen. Am Anfang "schleiche" ich oft ein bisschen um die Geschichte herum, vor allem dann, wenn ich nicht gleich einen guten Einstieg finde. Es kann vorkommen, dass ich eine Woche lang an zwei Seiten sitze - die ich dann wegwerfe. Aber wenn dieser Punkt überschritten ist, wenn die Geschichte eigentlich anfängt, sich selbst zu erzählen, so dass ich sie im Grunde nur noch auf­schrei­ben muss, dann geht es sehr schnell. Dann arbeite ich sehr viel und mache eigentlich nichts anderes. Ich bin ein Nachtarbeiter, ich arbeite oft in den späten Abendstunden und nachts. Wenn es gut läuft, schreibe ich sozusagen von morgens bis abends und werde manchmal recht unausstehlich, wenn ich gestört werde.

Sie schreiben Ihre Bücher zum Teil alleine - unter Ihrem Namen oder unter dem eines Ihrer Pseudonyme -, zum Teil zusammen mit Ihrer Frau. Wie läuft das: Gibt es eine klare Aufgabenteilung? Und wie gehen Sie mit Meinungsverschiedenheiten um?

Unter einem Pseudonym schreibe ich eigentlich überhaupt nicht mehr. Das war nur ganz am Anfang so. Damals hatte ich angefangen, auch Spannungsromane zu schreiben, meine ersten Sachen waren ja auch Heftromane. Zu der Zeit glaubte man noch, dass der Autor einer Abenteuergeschichte einen knalligen englischen Namen haben muss. Aus diesem Grund hat dann eigentlich jeder deutsche Autor ein englisches Pseudonym verpasst bekommen. Mir hat mal ein Redakteur gesagt: "Eine Horrorge­schichte von Wolfgang Hohlbein kauft doch kein Mensch!" Er wurde eines Besseren belehrt. Das war in den ersten zwei, drei Jahren.

Meinungsverschiedenheiten zwischen meiner Frau und mir bezüglich der Bücher werden ausdiskutiert. Eine Aufgabenteilung gibt es natürlich auch. Das reine Schreiben, der physikalische Vorgang, die Tinte aufs Papier zu bringen, das mache ich alleine. Wir reden im Vorfeld gar nicht so viel miteinander, sondern stecken die Eckpunkte der Geschichte ab und definieren einige wichtige Charaktere. Aber dann ist es eigentlich immer das Gleiche: Ich beginne mit dem Schreiben und zeige meiner Frau im Idealfall täglich, was ich geschrieben habe. Wir überlegen dann gemeinsam, besprechen die Szenen und tauschen unsere Ideen aus. Manchmal wird etwas geändert. Unsere Diskussionen reichen dabei nicht bis in den dramaturgischen Ablauf hinein, sondern es geht eher um die Strukturen, die Atmosphäre oder die Personen.

Sie gelten als "Deutschlands erfolgreichster Autor fantastischer Literatur". In welchem Umfang nehmen Sie wahr, was andere Autoren schreiben? Gibt es interessante neue Entwicklungen innerhalb der deutschsprachigen Fantasy- oder Phantasie-Literatur?

Ich lese eigentlich alles, was von anderen deutschen Autoren publiziert wird. So viele sind es ja auch nicht. Monika Felten müsste man sicherlich nennen, die in letzter Zeit ein paar sehr gute Sachen gemacht hat; Bernhard Hennen, von dem man sicherlich noch eine Menge hören wird. Es gibt immer wieder mal Autoren, die ein wirklich gutes Buch auf dem Gebiet schreiben. Aber auf Anhieb fallen mir eigentlich nicht viele ein, die sich ganz auf Fantasy-Literatur spezialisiert hätten. Es gibt aber sicherlich viele Schriftsteller, die auch mal eine phantastische Geschichte geschrieben haben, die Grenzen in diesem Genre sind ja fließend.

Was internationale Autoren angeht, so bin ich ein großer Fan von Stephen King. Auch Dean Koontz schätze ich oder Dan Brown, dessen Bücher mir ebenfalls sehr gefallen. Aber generell habe ich nicht unbedingt einzelne Autoren im Kopf, mich interessieren eher die Geschichten. Wenn ich mir ein Buch kaufe, achte ich meist nicht darauf, wer es geschrieben hat.

Die Frage danach, was denn nun eigentlich "die Wirklichkeit" sei, ist für Ihre Arbeit ganz entscheidend. Sie sagten dazu einmal: "Ich glaube, dass jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit hat." Wie sieht das für Sie aus, der über die Jahre in unendlich viele Charaktere geschlüpft ist, unendlich viele Perspektiven eingenommen hat. Kommen Sie noch mit einer Wirklichkeit aus oder leben Sie schon in mehreren?

So viele verschiedene Charaktere sind das gar nicht. Wenn man genau hinschaut, dann hat jede Hauptfigur auch ein Stück von mir, anders kann man keine richtig gute Geschichte schreiben. Ansonsten fällt es mir zu meinem eigenen Erstaunen sehr leicht, aus den Personen auch wieder "herauszuschlüpfen". Wenn ich in der Geschichte drinstecke - das geht mir übrigens auch so, wenn ich ein Buch lese, das mich richtig packt - dann bin ich die Person, dann erlebe ich auch, was sie erlebt. Wenn ich das Buch oder das Manuskript wieder zuklappe, dann bin ich da auch sofort wieder zurück in der Wirklichkeit. Ich kann das sehr gut trennen. Zum Glück. Ich habe auch schon erlebt, dass Fans enttäuscht sind, wenn sie erfahren, dass ich eigentlich ein realistischer Mensch bin.

Sie leben in Deutschland, das örtliche Finanzamt ist nach Ihren eigenen Worten einer Ihrer größten Fans. Jeden Tag werden neue Aufschwungs- oder Krisenszenarien veröffentlicht. Wie empfinden Sie die Stimmung im Lande?

Eigentlich war das mit dem Finanzamt eher ein Scherz. Ich habe das in einer Phase gesagt, in der ich als Freiberufler mit dem Finanzamt ein bisschen im Clinch lag. Ich war in der Tat eine Zeit lang ernsthaft versucht, auszuwandern. Es gibt ja so schöne Länder wie Irland, wo Künstler keine Steuern zahlen müssen. Aber ich konnte mir am Ende doch nicht vorstellen, dort wirklich zu leben. Wahrscheinlich bin ich eben ein ganz spießiger Mensch. Es gibt auch keinen vernünftigen Grund, warum ich im Rheinland lebe. Ich könnte in einer landschaftlich schöneren Gegend wohnen und dort genauso arbeiten. Aber ich bin dort eben aufgewachsen und kenne jeden, habe dort meine Freunde, ja, und auch meine Feinde, die gehören ja auch dazu. Auch wenn das kitschig klingt - ich bin im Grunde heimatverbunden.

Es ist schwierig, über die Stimmung in Deutschland zu sprechen. Ich finde es sehr schade, dass von der Presse immer alles so schlecht gemacht und schwarz gemalt wird. Die Medien hätten ja die Macht, für bessere Stimmung zu sorgen, aber das Gegenteil ist der Fall. Das finde ich sehr schade. Es gibt viele positive Beispiele dafür, dass die Menschen in Deutschland immer wieder das Beste aus ihrer Situation machen und trotz Hindernissen ihren Weg gehen. Es gibt aber auf der anderen Seite natürlich auch schlimme Schicksale. Die Zukunft ist sicherlich schwierig, und die goldenen Zeiten sind wahrscheinlich vorbei, aber es ist nicht so, dass man deswegen den Kopf in den Sand stecken sollte. Manchmal muss man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen und hoffen, dass man das Glück auf seiner Seite hat.


Die Fragen stellte Roland Große Holtforth von der Zeitschrift "Literaturtest".



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